Review Meshnology N37 (Hochformat) Meshtastic Bausatz


Die in China ansässige Firma Meshnology entwickelt und vertreibt Meshtastic-kompatible LoRa-Geräte, Bausätze und Zubehör für netzunabhängige Funkkommunikation. Sie setzt dabei Original-Hardware zum Beispiel von Seeed Studio und Heltec ein. Das Angebot richtet sich an Maker, Elektronikbastler, Funkamateure und alle, die ihre Hardware selbst aufbauen, anpassen und erweitern möchten. Im Fokus stehen offene Technologien, hochwertige DIY-Kits und praxisnahe Lösungen für Meshtastic-, IoT- und Off-Grid-Anwendungen.

Meshnology packt alle Bauteile, die man für ein Meshtastic-Fertiggerät benötigt in ein Kit. Dabei achten sie auf hochwertige Komponenten. Jedes Kit beinhaltet ein 3D-gedrucktes Gehäuse. Man bekommt also alles komplett geliefert, was man braucht und muss sich nicht erst auf die Suche nach den passenden Einzelteilen machen. Das Zusammenbauen muss man allerdings selbst erledigen. Das beschränkt sich meist aber auf zusammenstecken und zusammenschrauben. Der Lötkolben darf also kalt bleiben. Manche Original-Hardware gibt es gar nicht mit Gehäuse, so dass Meshnology hier eine Lücke schließt für diejenige, die eine bestimmte Hardware-Plattform bevorzugen.

Das Meshnology N37-DIY-Kit beinhaltet:

Die Hardware

Wer ein anderes Gehäuse als das direkt von Seeed Studio vertriebene, ähnliche Seeed Wio Tracker L1 Pro möchte, wird hier fündig. Das Mainboard, das GPS, das Display sind ansonsten die gleichen. Auch der tolle Joystick, der die Bedienung der aktuellen Meshtastic Firmware so angenehm ist, ist bei beiden Geräten vorhanden.

Allerdings kann das N37 mit einem größeren Akku aufwarten: es hat 3000 mAh statt 2000 mAh bei Seeed.

Eventuell ist auch die Position der GPS-Antenne beim N37 noch ein bisschen cleverer. Der GPS-Empfang könnte darum einen Hauch besser sein. Im Inneren des N37 werkelt auf einem Wio L1 Mainboard als Hauptprozessor ein nRF52840 von Nordic Semiconductor, wie übrigens auch bei T-Echo und ThinkNode M1. Die nRF-Mikrocontroller sind für ihre Stromsparsamkeit bekannt.

Auch der für LoRa zuständige Chip, ein Semtech SX1262, ist ebenfalls auf Stromsparen getrimmt. Er verbraucht noch weniger Strom als sein Vorgänger SX1276. Trotz verringerter Leistung ist der Empfang beim SX1262 ein wenig besser als beim SX1276. Das N37 hat dasselbe OLED-Display wie der Seeed Wio L1 Pro. Das ist nicht ganz so stromsparend wie die ePaper-Displays der Konkurrenz, aber mit dem großen Akku macht er das mehr als wett. Eine Laufzeit von knapp einer Woche Dauerbetrieb mit eingeschaltetem GPS dürfte durchaus im realistischen Rahmen liegen. Vorausgesetzt, man nutzt die Einstellung in der App, den Bildschirm nach 30 Sekunden Inaktivität abzuschalten. Und damit kann man das selbstleuchtende OLED sogar als Vorteil sehen: Denn jedes Mal, wenn eine neue Node dem Mesh beitritt, wird das stumm angezeigt. Man bekommt es trotzdem mit, da eben das OLED für ein paar Sekunden angeht. Ein Nachrichteneingang wird über einen gut hörbaren Buzzer signalisiert. Allerdings hört man den Buzzer - obwohl das gleiche Modell - beim N37 hörbar leiser als beim Seeed L1 Pro, das auf der Rückseite Löcher für den Sound hat. Dadurch ist das Seeed natürlich auch wasserempfindlicher. Ein IP-Rating haben beide Geräte nicht.

Ob sich das OLED mit der Zeit einbrennt, wie ich es bei anderen OLEDs bei voller Helligkeit erlebt habe, kann ich noch nicht sagen. Das geschieht schleichend und das fällt erst nach mehreren Monaten Dauerleuchten auf. Bei dem Display scheint es sich aber um ein Standard-1.3"-OLED mit 128x64 weißen Pixeln zu handeln, das man günstig nachkaufen kann und ein Bastler selbst tauschen kann. Nichtsdestotrotz vermisse ich eine Einstellmöglichkeit für die Helligkeit des OLED. Für mich scheint das OLED aber nicht auf 100% zu leuchten. Bei 100% brennt das OLED am schnellsten aus. Bei Werten darunter hat man eine viel längere Lebensdauer.

Der Zusammenbau

Auf der Meshnology N37-Seite gibt es auch eine kleine bebilderte Anleitung mit ein paar Schritten. Allerdings finde ich, dass die Bildauflösung etwas besser sein könnte. Ideal wäre es, würde eine gedruckte Anleitung gleich dem Bausatz beiliegen. Ein Zettel in A5 würde da schon ausreichen.

Ansonsten ist der Zusammenbau ziemlich einfach. Man kann nicht viel falsch machen und der schon etwas erfahrene Bastler kommt sicher auch ganz ohne Anleitung aus.

Das OLED-Display ist bereits auf dem Mainboard montiert, da müssen wir uns also nicht groß drum kümmern.

Was ich empfehle, als erstes zu machen, ist diese kleinen PigTails (das sind die mit den Antennen-Schraubgewinden am Ende) einzustöpseln. Die sind ziemlich straff und man braucht schon ein wenig Geduld, bis es "schnackelt". Diese Geduld sollte man sich aber auch nehmen und tunlichst darauf achten, den Stecker absolut waagerecht aufzustecken und nicht zu verkanten. Diese kleinen Buchsen auf dem Board sind sehr empfindlich und verbiegen leicht oder reißen von der Platine ab. Bei mir hat geholfen, die Buchse waagerecht auszusetzen und dann etwas zu drehen, während ich sie gerade herunterdrücke. Gar nicht so einfach und ich brauchte mehrere Versuche. Irgendwann klappt es dann aber. Nur nicht die Geduld verlieren. Hier ist schnell etwas zerstört.

Dann presst man den 3D-gedruckten Joystick-Knopf wieder waagerecht mit etwas Druck auf den Joystick. Die Führung ist vierkantig und es braucht ein bisschen Kraft und dann macht es Klack und der Joystick sitzt.

Den Reset Button an der Seite und den Funktionsbutton neben dem Joystick befestigt man am besten mit etwas Klebeknete an der Außenseite. Damit ist die Gefahr, dass diese eventuell herausfallen, gebannt.

Mein Paket kam mit zwei Antennenbuchsen. Hier die richtige wählen, auf die sich auch die mitgelieferte Antenne schrauben lässt. Nun die Antennenbuchse innen anbringen, besser vor dem Mainboard, sonst beengt man sich unnötig. Alle Muttern ab (Reihenfolge merken), die Antennenbuchse von innen in das sechskantige Loch und Muttern wieder drauf. Sanft mit der Zange von außen festziehen - sitzt.

Nun das Mainboard einsetzen. An der USB-Buchse orientieren. Die muss in die Seite. Der Joystick durch das Loch unten. Also schräg einsetzen und dann fallen lassen. Schauen, dass das Mainboard gut sitzt und dann mit den Schrauben befestigen. Da sich die Schrauben durch das Plastik schneiden müssen, braucht man dafür ein wenig Kraft am Anfang. Und man muss darauf achten, dass die Schrauben senkrecht reingeschraubt werden, denn sie neigen sich zu neigen (kleiner Wortwitz!). Wenn sie ihren Weg gefunden haben, nicht übermäßig kraftvoll zu Ende schrauben. Das Motherboard soll sicher sitzen und nicht mehr wackeln, fester muss es nicht sein, denn hier kommt nach fest nicht ab, sondern Platinenbruch, wenn es doof läuft.

Die GPS-Antenne oberhalb des Schraublochs links in dem Stummel einsetzen, mit dem Gummi nach unten. So zeigt der "Lötbatzen" später bei waagerechter Haltung nach oben Richtung Himmel und der Empfang ist gut. Wer das Gerät im Liegen über Kopf benutzen will, der installiert es anders herum. Aber wer will das schon? Dann kann man schon mal diese Schraube einschrauben und die Antenne sitzt fest. Da muss nichts geklebt werden.

Kleben sollte man allerdings den Akku. Den so positionieren, dass das Kabel (dann im zusammengeschraubten Zustand) möglichst nahe der Buchse rechts ist.

Jetzt LoRa-Antenne aufschrauben (der SX1262 mag nicht so gerne ohne Antenne betrieben werden) und die Batterie anschließen. Dazu den roten Draht an die Stelle, wo das + auf der Platine ist. Dann das Gehäuse zuklappen und schauen, dass nirgends Kabel geklemmt werden oder dort sind, wo die Schrauben lang gehen werden.

Dann einen kleinen Funktionstest, ob das Display was anzeigt, wenn wir den Schalter nach oben schieben und das Gerät einschalten? Sieht alles gut aus? Prima!

Dann können wir das Gerät ja zusammenschrauben. Das geschieht auf eine pfiffige Art und Weise: die quadratischen Scheiben kommen in die Aussparungen und dann kommen die Schrauben rein. Auf Widerstände achten - nicht, dass da doch noch ein Kabel im Weg ist. Auch die Schrauben nicht zu fest ziehen, denn das Metall der Schrauben ist stärker als das Plastik und wir wollen ja nicht heraus brechen.

Fertig! War doch easy, oder? Bei mir war die richtige Meshtastic-Firmware bereits vorinstalliert, so dass ich gleich loslegen konnte.

Hier ein Video, in dem ich den Zusammenbau noch einmal genau zeige, weil ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ein Video nochmals mehr (ab 25. Juli 2026 abrufbar):



Meinen ersten Eindruck beim Auspacken der Meshnology-Bausätze könnt ihr in meinem Mailbag #171 bewundern (ab 11. Juli 2026 abrufbar):



Das fertige Gerät


Das fertige N37 ist ein klein bisschen größer als der Seeed Wio Tracker L1 Pro, liegt bei Einhand-Bedienung aber vielleicht ein bisschen besser in der Hand. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob es einem mehr auf Kompaktheit (Seeed) oder Bediengefühl (Meshnology) ankommt.

Die Maße liegen mit GPS- (und ohne LoRa-) Antenne bei: 66 x 113 x 27 mm, das Gesamtgewicht bei: 124.8

Da die LoRa-Antennen und das Mainboard identisch sind, sollte es bei der Empfangsempfindlichkeit bzw. Sendestärke keine Unterschiede geben.

Das Gehäuse des N37 ist präzise auf 3D-Druckern von Bambu Lab (diese sind für Präzision und Geschwindigkeit bekannt) mit Qualitäts-PLA gedruckt worden. Bis vor Kurzem hatte auch Seeed auf 3D-Druck gesetzt, allerdings widerstandsfähigeres Nylon verwendet. Mittlerweile benutzt Seeed Spritzguss und PC sowie ABS. Die Wandstärke des N37-Drucks ist mehr als ausreichend und das Gehäuse macht einen stabilen Eindruck. Nichtsdestotrotz: PLA hält Temperaturen über 60° C nicht dauerhaft stand. Darum bitte nicht stundenlang auf dem Armaturenbrett im Auto im Sommer liegen lassen, damit sich das Gehäuse nicht eventuell doch verzieht.

Für die Bedienung mit dem Joystick bitte das Review des Seeed L1 Pro lesen, in dem ich ausführlicher darauf eingehe.

Ich möchte den Joystick auf jeden Fall nicht mehr missen. Im L1 Pro-Review gibt es auch ein kleines Demo-Video des Joysticks und der Firmware. Außerdem geht es noch einmal auf die Bedienung über die Meshtastic-App ein, ist also durchaus auch für N37-Besitzer interessant.

Weiterlesen...

Ein Lese-Muss ist mein LoRa-Meshtastic Gerätevergleich mit großer Vergleichstabelle. Hier könnt ihr alle Features der von mir getesteten Geräte miteinander vergleichen und das richtige für einen Kauf finden.

Welches Gerät welche Sende- und Empfangsleistung an den Tag legt, könnt ihr in meinem LoRa-Meshtastic Reichweitentest über 2, 2.5 und 3 km nachlesen.

Sicher ist der direkte Vergleich mit dem ganz ähnlichen Produkt von Seeed Studio interessant. Das Review des Seeed L1 Pro sollte man lesen.

Auf die anderen Produkt-Reviews von Meshnology möchtet ihr vielleicht auch einen Blick werfen:

Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links